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»Das blutige Heft« von Clara Paulick

Hier in diesem Zimmer wurde die Frau des Metzgers Hansson ermordet. Kaltblütig erstochen mit einem Brieföffner, der später in ein altes Tuch eingewickelt in der Sandkiste des Spielplatzes vor der Kirche wiedergefunden werden sollte. Natürlich haben alle den Metzger selbst im Verdacht. Den Mann mit Händen so groß wie Topfdeckel und oberschenkeldicken Armen und der roten Nase. Schon vor der Sache mit seiner Frau haben alle Leute die Straßenseite gewechselt, wenn er kam. Alle wichen den Augen unter den großen schwarzen Augenbrauen aus. Dieser Mann wäre der perfekte Täter. Noch dazu kommt, dass er sich am Abend mit seiner Frau gestritten haben soll. Zurecht sitzt er jetzt im Gefängnis, sagen die Leute. Doch Diplomdetektivin Leo lässt sich nicht täuschen! Auch diesen Fall wird sie aufklären und zwischen Recht und Unrecht entscheiden. Noch nie hat sie einen Unschuldigen im Gefängnis sitzen lassen und das wird sie auch dieses Mal nicht.

Sie betrachtete den Tatort, der nicht mehr als solcher zu erkennen war. Alle Spuren scheinen beseitigt worden zu sein. Alle Spuren bis auf eine. Auf dem Schreibtisch des Zimmers lag ein Schulheft. Die Frau war Lehrerin gewesen. Auf dem Schulheft waren kleine rote Spritzer zu erkennen. Äußerst verdächtig! Sie nahm eine Lupe aus ihrem Mantel und betrachtete das Papier. An der Spur der Blutspritzer auf dem Heft konnte man eindeutig erkennen, dass der Mörder nicht der Metzger gewesen sein konnte. Es muss eine kleine Person gewesen sein. Eine sehr kleine Person. Leo erschauderte. Konnte das wirklich sein? Plötzlich hörte sie Schritte auf der Treppe. Schritte von einer kleinen Person. Sie blickte sich auf der Suche nach einem Versteck im Raum um, und musste sich daran erinnern, dass man als Detektiv zu jeder Zeit einen kühlen Kopf zu bewahren hat. Sie versteckte sich unter dem Bett und hoffte, der Mörder würde sie hier nicht sehen…
“Leonie! Es gibt Mittagessen!”, ruft ihre kleine Schwester und guckt unter das Bett “Warum blutest du?”, fragt sie und zeigt auf Leonies roten Finger.
“Ich habe mich am Anspitzer geschnitten”, antwortet sie. Die beiden rennen die Treppe runter zum Mittagessen. 

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