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19. Februar 2017 / Herbstkurs 2015
von Janine Grömmer

Heute war er.
Heute war der Tag, an dem sich alles entscheiden würde.
Heute war sein Name gezogen worden.
Er hatte wie jeder andere diesen auf ein Stück Papier geschrieben und es, genau wie alle anderen, bei dem Anführer abgeben.
Und jetzt schallte er durch den Wald, wieder und wieder, wie ein unheimliches Echo aus einer vergangenen Zeit.
Einen Moment hielten alle Menschen inne, horchten auf den Namen, doch schon nach dem zweiten Mal widmeten sie sich wieder ihren Gesprächen und setzten ihren Marsch fort. Es war zum Alltag geworden, doch natürlich gab es Menschen, die dieser Tag nicht so sehr reizte und solche, die förmlich darauf brannten. Er selbst gehörte zu letzteren.
Als auch andere anfingen, ihn zu rufen, trat er also ohne jede Scheu vor und antwortete:
"Das bin ich."
Diejenigen, die ihn gehört hatten, verstummten, die meisten schenkten ihm nur einen flüchtigen Blick, nahmen aber sonst kaum Notiz von ihm. So dauerte es eine halbe Ewigkeit, bis er sich durch die Menschenmenge erfolgreich zu der Quelle der Stimme vorgearbeitet hatte.
Es war eine junge Frau mit langem, blonden Haar und blauen Augen. Obwohl sie nicht sonderlich groß war, musste er zu ihr aufblicken, um ihr ins Gesicht zu schauen und das hasste er. Wie sie immer alle auf ihn herabsahen, wie er nie einen zweiten Blick wert war.
Doch das würde sich heute ändern.
"Ich bin hier und bereit.", unterbrach er sie, als sie ihren Mund zu einem neuen Ruf öffnete.
Als die Frau ihn erblickte, schloss sie ihren Mund und musterte ihn. Im Gegensatz zu den anderen Menschen blickte sie ihm direkt in die Augen und ignorierte seine geringe Größe. Auch beugte sie sich nicht zu ihm herab, um ihm den Kopf zu tätscheln und ihn auf ein andermal zu vertrösten. Eine Weile schien sie etwas in seinen Augen zu suchen, doch er hielt ihrem Blick beinahe trotzig stand.
"Dein Name lautet also Fynn.", sagte sie schließlich.
Es war eine Feststellung, doch er nickte trotzdem.
"Und du bist...?", fragte Fynn neugierig, denn er hatte sie noch nie gesehen.
Aber offensichtlich würde sie an dem, was gleich folgen würde, teilnehmen, also wollte er zumindest ihren Namen kennen.
"Emilia."
Eine Pause entstand, dann fragte die junge Frau ruhig:
"Trägst du eine Waffe, Fynn?"
Dieser stutzte, nickte aber erneut.
"Was für eine?"
Emilia ließ sich nicht anmerken, was sie davon hielt, dass er ein Werkzeug besaß, mit dem er töten konnte.
"Einen Dolch."
Fynn gab sich alle Mühe, nicht eingeschüchtert zu klingen, denn er hatte es endgültig satt, sich immer vor den Erwachsenen ducken zu müssen.
Nicht ohne Stolz zog er die spitz zulaufende, pechschwarze Klinge aus einer ledernen Scheide, die unter seinem Mantel mit einem Riemen auf Brusthöhe befestigt war.
Ihre blauen Augen musterten das Messer nachdenklich, dann sagte sie:
"Du willst anfangen, habe ich Recht?"
Er nickte.
Emilia drehte sich um und stieg auf das schneeweiße Pferd, an dem sie die ganze Zeit gelehnt hatte, drehte sich zu ihm um und bedeutete ihm, aufzusteigen.
Fynn steckte seine Waffe wieder ein und tat sich schwer mit dieser Aufforderung, war aber gleichzeitig dankbar, dass sie ihm keine Hilfe anbot. Hinter ihr setzte er sich in auf den warmen Rücken des Rosses. Als das Pferd losging, klammerte er sich erschrocken an ihrem Mantel fest, denn er saß das erste Mal auf einem Solchen und wollte nicht gleich einen schlechten Eindruck hinterlassen, indem er herunterfiel.
Sie versteifte sich für einen Moment und erst da dachte er darüber nach, dass er so wahrscheinlich den gleichen Effekt erzielte, doch sie gab ihrem Pferd die Sporen, ohne einen abfälligen Kommentar abzugeben.
Lange ritten sie nicht, doch es reichte, dass er die anderen Menschen, die gerade irgendwo weitergehen mussten, nicht mehr hören oder sehen konnten. Sobald das Pferd hielt, sprang er von ihm herab, wollte endlich loslegen.
Emilia folgte ihm etwas langsamer und ignorierte die helfende Hand, die ihr dargeboten wurde.
Jetzt erst merkte Fynn, dass sie nicht alleine waren.
Der Typ, der ihr die Hand hingehalten hatte und sie jetzt schulterzuckend zurückzog, war hochgewachsen und schlank, mit braunen Augen und ebensolchem Haar. Etwas abseits standen der Anführer und sein Schatten, der ihm nie von der Seite wich, der immer in einen Mantel trug und von dem niemand wusste, ob er ein Mann oder doch eine Frau war.
Insgeheim nannte Fynn ihn -oder sie- Shadow.
"Warum hast du diesen Bengel mitgebracht? Ich dachte, heute wird ein weiterer Test durchgeführt?"
Missbilligend musterte der Braunhaarige den Jungen und dieser konnte ihn auf Anhieb nicht leiden.
"Mein Name ist Fynn. Ich wurde vorhin von Emilia aufgerufen und bin bereit."
Ihn beunruhigte es, dass er das hier Test  nannte, doch er versuchte, sich davon nichts anmerken zu lassen.
"Lasst uns anfangen.", forderte Shadow, als der Andere etwas erwidern wollte.
Als alle nickten, schnaubte er und sagte:
"Ohne mich. Bei Versuchen mit Kindern bin ich raus."
Beinahe sofort war er lautlos verschwunden.
Einen Herzschlag sah Emilia ihm nach, dann schüttelte sie beinahe unmerklich den Kopf und wandte sich wieder ihm zu, bevor ein peinliches Schweigen entstehen konnte.
Doch Fynn war nicht in Lage, sich zu verkneifen:
"Was meint er mit >Test<? Ich dachte, jetzt würde ich mich endlich verwandeln können. Wieso muss ich als Testobjekt herhalten?"
"Ach, hör nicht auf Henry. Der ist bloß mit dem falschen Fuß aufgestanden. Natürlich wirst du dich jetzt verwandeln. An welches Tier hattest du denn gedacht?", fragte der Anführer
"Gepard.", kam es wie aus der Pistole geschossen von dem Gefragten.
"Eine..., ungewöhnliche Wahl für jemanden wie dich.", sagte der Anführer lahm.
Fynn antwortete nichts, denn er wusste nicht, ob das, was er sonst erwidern würde, angemessen wäre.
Gelassen lehnte sich Emilia sich an eine Kiefer und wie auf ein unsichtbares Zeichen, trat Shadow näher, nahm die Zügel des Schimmels und führte es fort.
"Fang an.", sagte sie und sah ihn abwartend an.
Er starrte verwundert zurück.
"Wie geht das denn? Müsst ihr nicht zuerst eine Barriere aufheben oder so etwas?"
Sie lächelte und er wurde rot vor Scham. Schon wieder behandelten sie ihn wie einen Grünschnabel. Diesmal jedoch, hatte er es sich selbst zuzuschulden.
"Das ist ein von Shadow inszeniertes Gerücht. Nicht, dass jemand, der darauf brennt, es vor seiner Zeit und unbeaufsichtigt ausprobiert."
Damit hatte sie nicht einmal ihn gemeint, doch Fynn fühlte sich irgendwie ertappt.
"Was muss ich tun?", fragte er dennoch und die Aufregung packte ihn.
"Du musst dir vorstellen, ein Gepard zu sein. Mit Leib und Seele. Aber du musst dir gleichzeitig bewusst sein, dass es wirklich passieren wird und nicht bloß deiner Fantasie entspringt. Am besten stellst du dir vor, du schlüpfst in ein Kostüm.", antworte Shadow, der inzwischen wieder zurückgekehrt war.
"Du musst es wirklich wollen und dir aller Vorteile und Konsequenzen bewusst sein. Und noch etwas: Seine Seele mit dem Tierreich zu verbinden, um ein Tiermensch zu werden, mag etwas Außergewöhnliches sein, hat jedoch nichts mit Magie zu tun."
Fynn nickte verstehend und begann.
Er schloss die Augen und stellte sich vor, wie er schneller als der Wind rannte, das kurze Fell eng an den schlanken Körper gepresst, wie er sich geschickt durch die Reihen der Feinde schlängelte und sie kampfunfähig machte, bevor sie auch nur reagieren konnten.
Einen Moment dachte er noch daran, dass er sich jetzt nicht mehr von den anderen Jungen würde herumschubsen lassen müssen, bloß, weil er anders war als sie, dann wurde es selbst hinter seinen Augen gleißend hell.

Als Fynn wach wurde, bemerkte er als Erstes, dass er splitterfasernackt war.
Als Zweites, dass man ihn in einen Mantel gewickelt hatte.
Der Junge schlug die Augen auf.
Was war schief gelaufen? Wieso war er kein Gepard? Warum hatte er das Bewusstsein verloren? Für wie lange?
Plötzlich hörte er leise Stimmen.
"...ungewöhnlich. Wie sollen wir es ihm beibringen?"
Das war Shadow.
"Das ist nicht das erste Mal, dass so etwas passiert. Ich schlage vor, du holst Henry und seine Utensilien. Ich werde in der Zwischenzeit mit Fynn reden.", entgegnete Emilia, ruhig wie immer.
"Er ist wach.", unterbrach der Anführer die Beiden.
Mit einem Mal traten sie wieder in sein Blickfeld, wobei ihn Shadow nur kurz betrachtete, und dann ohne ein weiteres Wort verschwand.
Beunruhigt fragte dieser:
"Was hat das zu bedeuten? Warum hat es nicht geklappt? Habe ich etwas falsch gemacht?"
Etwas ungelenk setzte sich Emilia neben ihn, während sich Fynn hastig aufsetzte, den Mantel fest umklammert.
"Du hast nichts falsch gemacht.", erwiderte sie kopfschüttelnd.
Es schien sie nicht zu stören, dass sie ihm ohne ihren Mantel gegenüber saß, während er nur diesen am Leib hatte, obwohl es jetzt anfing zu regnen.
"Manchmal können oder wollen sich die Seelen der Tiere nicht mit einem Menschen vereinen. Das ist zwar selten, aber nicht unmöglich."
"Die Seelen der Tiere?", fragte Fynn neugierig, wobei er die Hoffnung noch nicht aufgegeben hatte.
Eigentlich hatte er noch nicht einmal begriffen, was das nun bedeutete.
Sie nickte.
"Wenn es geklappt hätte, würde man dich trotzdem noch lange nicht an die Front lassen. Mit der ersten Verwandlung schauen wir erst einmal, ob sich jemand überhaupt verwandeln kann. Dabei wird man selbst zu diesem Tier. Wenn einen das nicht abgeschreckt hat, wird man noch einmal aufgerufen und dann wird man gefragt, ob man das wirklich will. Wenn du zum Beispiel diese Frage bejahen und dich zum zweiten Mal verwandeln würdest, würde dir das Tierreich eine verstorbene Tierseele zuweisen, die durch dich wieder leben könnte. Erst, wenn ihr unter euch ausgemacht habt, ob ihr zusammenarbeitet oder einer von euch stirbt, wärst du kampffähig."
"Einer von uns würde sterben?", fragte Fynn ungläubig.
"Das muss nicht sein, passiert aber ziemlich häufig. Doch..."
Emilia zögerte.
"Doch du bist leider bereits an Phase eins gescheitert."
Es fühlte sich an, als hätte man eiskaltes Wasser über ihm ausgeschüttet.
"Was?"
"Es tut mir leid, dass zu sagen, doch du kannst kein Tiermensch werden."
"Aber... Kann ich es nicht noch einmal versuchen?", fragte Fynn nach einer Weile verzweifelt.
Heftig widersprach sie.
"Versuch es bloß nicht! Wenn du unerlaubt erneut versuchst, in die Welt der Seelen der verstorbenen Tiere einzudringen, wirst du nicht zurückkommen."
Überrascht von ihrem Ausbruch hielt er inne.
"Reich mir mal deinen Dolch, Junge.", forderte Henry ihn auf, der wie aus dem Nichts plötzlich vor ihm stand.
Der Angesprochene fuhr erschrocken zusammen und legte den Kopf in den Nacken, um zu dem Mann aufzusehen.
Fynn suchte im Schlamm nach der Waffe und als er sie schließlich fand, reichte er sie nur widerstrebend weiter.
Wortlos nahm er den Dolch entgegen und wandte sich ab.
Eigentlich wollte Fynn protestieren, doch er schloss den Mund wieder und sagte sich, dass er sich nicht so anzustellen bräuchte.
"Warum wolltest du Gepard werden?", sprach Emilia den Jungen an.
Der zuckte mit den Schultern.
"Ich wollte schnell und wendig sein. Meinen Gegnern immer einen Schritt voraus. Der Blitz auf dem Schlachtfeld. Ich wollte die Katastrophen verhindern, bevor sie eintreffen. Und wenn ich dafür töten müsste."
Die Blonde hörte interessiert zu und nickte schließlich.
"Das kann ich verstehen, dass ist ein sehr ehrenwerter Grund. Ich möchte dir als kleinen Trost ein Geschenk geben."
Henry kehrte mit dem Dolch zurück und gab ihn Fynn, der überrascht über die neue Scheide aus schwarzem Leder war, jedoch auch etwas irritiert.
Wie sollte ihn das trösten?
"Ich habe die Leistung des Dolches erhöht. Er wird dir sicherlich noch gute Dienste leisten."
Fynn schwieg.
"Du musst kein Gepard sein, um schnell zu sein. Und auch nicht, um schneller als die Katastrophe zu sein. Wir haben jetzt deine Krallen geschärft und wenn du ein andermal zu mir kommst, werde ich dir zeigen, wie du schneller als die Katastrophen sein kannst."
Er erwiderte nichts, als er den Mantel zuknöpfte und aufstand.
"Ich werde es mir überlegen.", sagte Fynn, schon abgewandt von den vier Menschen, denen er wahrscheinlich am meisten Respekt zollen müsste.
Doch er hatte es so satt.
Hatte es satt, immer zu den ach so schlauen Erwachsenen aufzusehen, von ihnen nur belächelt oder vertröstet zu werden. Mit diesem Tag hatte er gehofft, dass sich endlich etwas ändern würde. Doch letztendlich war er immer noch so schwach und hilflos wie zuvor. Von jetzt an würde er für immer als Versager gelten, der kein Tiermensch werden konnte. Sie würden weiter auf ihn einhacken. Für den Rest seines Lebens.
Obwohl, nein! Jetzt hatte er schärfere Krallen.
So schnell er konnte, rannte er den Weg, den er gekommen war zurück, den Dolchgriff fest umklammert und die Rufe des Anführers ignorierend.
Aber bevor er auch nur aus dem Blickfeld dieses verschwunden war, hörte er ein knappes Wort und blieb abrupt stehen.
"Bleib."
Es war Emilia.
Fynn drehte sich nicht um, als er fragte:
"Warum sollte ich? Wieder einmal wurde ich nur auf später vertröstet. Erwartet ihr, dass ich mich höflich bei euch bedanke, nachdem ihr das einzige, was ich mehr als alles andere wollte, mir unmöglich gemacht habt? Und nachdem ihr das einzige, was ich noch von meinen Eltern habe, verändern und beschmutzen musstet?"
"Du willst doch diejenigen beschützen, die dir etwas bedeuten, nicht wahr? Damit niemandem dasselbe wie dir passiert?"
Der Junge wirbelte herum.
"Wer bist du?", fragte er, plötzlich misstrauisch.
Die junge Frau lächelte, es wirkte müde, aber ehrlich.
Sie hob die Hände, immer noch auf den Knien im Schlamm sitzend.
"Wer ich bin... Emilia. Die Liebe eines jungen Mannes. Sturm auf dem Schlachtfeld. Schlüssel der Prophezeiung. Der schwarze Puma. Hoffnungsträgerin. Lebensretterin. Magierin. Eine Freundin. Jemand, der dich versteht. Auch die Wut, die Trauer, die Enttäuschung und dieses Gefühl der Ohnmacht.
Trotzdem gibt es aber auch das Gefühl der Liebe, der Freunde und vollkommene Glückseligkeit. Ich habe das nicht nur so daher gesagt. Ich kann es dir wirklich zeigen. Willst du, dass ich das jetzt tue?"
Fynn erwiderte nichts, trat aber dennoch unsicher auf sie zu.
Natürlich wollte er. Nichts mehr als das. Aber was konnte er ihr schon zeigen? Wie konnte sie schon verstehen, was er fühlte?
Inzwischen war er bei ihr angekommen und genoss es aus vollen Zügen, mit ihr auf einer Augenhöhe und sogar ein Stück größer zu sein, als sie.
Emilia griff mit den Händen nach seinem Kopf, hielt dann aber inne und fragte:
"Darf ich?"
Mit widersprüchlichen Gefühlen nickte er schließlich.
Kaum, dass die sanften Fingerspitzen seine Schläfen berührten, verschwand ihr Gesicht vor seinen Augen und es tauchten stattdessen die seiner Eltern davor auf.
Erinnerungen an längst vergangene Zeiten durchfluteten ihn. Seine Eltern, wie sie lachten, lächelten, ihn durch die Luft wirbelten und ihn fest umarmten. Der Geruch Mutters unverwechselbaren Haares stieg ihm in die Nase und er spürte die Tränen in sich aufsteigen.
Plötzlich drückte ihn sein Vater fester und sie sagten:
"Wir lieben dich Fynn. Genauso wie du bist. Finde deinen Weg, Hauptsache du bleibst du selbst. Auch wenn wir nicht immer neben dir stehen werden, werden wir doch immer da sein, um dich zu unterstützen. Vergiss das niemals."
Bevor er etwas erwidern konnte, erschien wieder das Gesicht Emilias vor ihm.
"Was hast du mit mir gemacht?" fragte er, versuchte wütend zu klingen und scheiterte kläglich.
Es klang eher verzweifelt und ungläubig.
Entschlossen entriss er ihr sein tränenüberströmtes Gesicht und zog seinen Dolch.
Sie schwieg.
"Was hast du getan? Los, sag schon!", forderte er, diesmal klang es tatsächlich wütender.
"Ich habe dir lediglich gezeigt, wie sehr deine Eltern dich liebten."
"Wozu denn? Das weiß ich schon selbst!"
"Du willst nicht, dass andere ebenfalls ihre Liebsten verlieren? Dann tue alles dafür, um deine Ideale umzusetzen! Nur so kannst du du bleiben. Die anderen fühlen sich unwohl, weil sie instinktiv spüren können, dass du ein Ziel vor Augen hast. Deshalb sind sie so beunruhigt. Doch das sollte dich nicht aufhalten. Kämpfe für das, woran du glaubst, gehe immer weiter und behalte immer dein Bestreben im Auge. Das kannst du auch, ohne ein Gepard zu sein. Sei flink, geschickt, schnell und unnachgiebig wie der Wind. Natürlich kannst du jederzeit zu mir kommen, wenn du reden möchtest, aber ich denke, das weißt du schon längst."
Überrascht schwieg Fynn.
"Kann ich dich noch etwas fragen, Emilia?", murmelte der Junge nach einer Weile.
"Sicher."
"Hast du jemanden, der immer an deiner Seite ist und einen Grund, für den du kämpfst?"
Ihr Blick wurde weicher.
"Ja, ich habe meine Familie, für die ich diesen Kampf so schnell wie möglich beenden will, um zu ihnen zurückzukehren. Außerdem, jeder hier, ist derjenige, der immer an meiner Seite sein wird und auf den ich mich verlassen kann, egal, wo ich gerade bin."
Einen letzten Test wollte Fynn dennoch machen.
Ohne jede Vorwarnung stieß er mit seinem Dolch zu. In dem Moment geschah einiges gleichzeitig.
Ein Knistern entstand um Emilia herum, und eine schimmernde Schutzschicht bildete sich um ihren ganzen Körper, sodass die schwarze Klinge ein Haarbreit vor ihrem Bauch stoppte.
Im gleichen Moment stürzten der Anführer, Shadow und Henry vor, um ihn entsetzt von Emilia wegzureißen.
Sofort ließ er kapitulierend den Dolch fallen, lächelte und war sonderbarerweise nicht überrascht, dass Emilias Lächeln für keinen Augenblick verschwunden war.
Sie hatte Recht behalten, ihn nicht belogen. Sie war die Einzige, die im wirklich in die Augen sah, wenn sie mit ihm sprach und ihn vollkommen ernst nahm.
Nun beschloss er, sich ihre Worte zu Herzen zu nehmen.
"Lasst ihn los.", forderte Emilia gelassen lächelnd.
Äußerst widerstrebend taten die Drei wie geheißen.
Fynn nahm wieder seinen Dolch an sich und steckte ihn in seine Scheide.
Zufrieden wandte er sich zum Gehen, hielt aber dann einen Moment inne und sagte:
"Danke, Lebensretterin. Ich werde nicht nur so schnell sein, wie der Wind, sondern schneller. Um mir selbst treu zu bleiben, um meine Eltern stolz auf mich zu machen und die zu beschützen, die mir wichtig sind. Und zu denen gehörst von nun an auch du."